Ratgeber · Terrassenüberdachungen und Kaltwintergärten

Die beiden Zahlen, die über ein Dach entscheiden, stehen selten im Prospekt

Wie viel Schnee am Standort anzunehmen ist, wohin das Wasser abläuft und woran man erkennt, dass beides nicht geplant wurde.

In Prospekten stehen Farben und Maße. Die zwei Größen, die darüber entscheiden, ob ein Dach zwanzig Winter übersteht, stehen dort fast nie.

Dieser Beitrag erklärt, wie Schneelast und Entwässerung zusammenhängen und was davon ins Angebot gehört.

Vorweg der wichtigste Satz: Ein Dach ohne geklärte Ableitung ist nicht fertig geplant.

Kurz gesagt

  • Die anzunehmende Last aus Schnee hängt von Zone und Geländehöhe ab
  • Daraus folgen Profilstärke und Stützenabstand, nicht umgekehrt
  • Jedes Dach braucht Gefälle, auch ein scheinbar flaches
  • Ohne Anschlusspunkt gehört eine Sickerung dazu

Wie die Schneelast ermittelt wird

Deutschland ist in Zonen für die Schneelast eingeteilt, und innerhalb jeder Zone steigt der Rechenwert mit der Geländehöhe. Zwei Orte in derselben Region können deshalb deutlich unterschiedliche Werte haben.

Aus dem Wert ergibt sich, wie viel Last pro Quadratmeter die Konstruktion aufnehmen muss. Daraus folgen Profilquerschnitte, Stützenabstand und die Größe der Fundamente – in dieser Reihenfolge.

Wo zusätzlich Schnee liegen bleibt

Drei Stellen bekommen mehr ab als die freie Fläche.

Die Kehle zur Hausdachfläche

Rutscht Schnee vom Hauptdach, landet er auf dem Terrassendach. Diese Zusatzlast ist erheblich und gehört in die Rechnung.

Anschluss an Wände und Vorsprünge

Dort, wo der Wind Schnee an eine Kante treibt, bilden sich Verwehungen mit mehrfacher Höhe der freien Fläche.

Flache Dächer mit Attika

Ein umlaufender Rand verhindert, dass Schnee seitlich abrutscht. Was liegen bleibt, muss getragen werden.

Essplatz mit Tisch und Stühlen unter einer Terrassenüberdachung

Offene Terrassenüberdachung an einem Wohnhaus im verschneiten Garten

Warum jedes Dach Gefälle braucht

Auch eine Eindeckung, die flach aussieht, hat ein Gefälle – meist zwischen zwei und fünf Grad. Ohne Gefälle bleibt Wasser stehen, trocknet langsam ab und hinterlässt Ränder, und an den Dichtungen arbeitet es sich mit der Zeit hinein.

Das Gefälle bestimmt außerdem die Höhen: vorne niedriger, hinten höher. Wer die Oberkante am Haus nicht vorher festlegt, landet mit der Rinne über dem Fenstersturz.

Praxistipp: Lassen Sie sich die Höhe des Wandanschlusses und die Höhe der vorderen Rinnenkante nennen, bevor Sie beauftragen. Diese zwei Zahlen bestimmen, wie das Dach später wirkt.

Rinne, Fallrohr und Ableitung

Die Rinne muss zur Dachfläche passen. Eine zu kleine Rinne läuft bei Starkregen über – meist genau an der Stelle, an der man darunter sitzt.

Wichtiger noch ist die Frage, wohin das Wasser geht. Liegt kein Anschluss in der Nähe, gehört eine Sickerpackung mit ausreichendem Volumen dazu. Das ist Tiefbau und muss im Angebot stehen.

Wasser, das an der Hauswand im Boden verschwindet, kommt im Keller wieder.

Dunkle Überdachung über einem Essplatz auf der Terrasse

Der Fassadenanschluss

Die Verbindung zur Wand ist die empfindlichste Stelle. Sie muss dicht sein, Bewegung aufnehmen und bei einem Wärmedämmverbundsystem die Last durch die Dämmung hindurch in das Mauerwerk bringen.

Bei gedämmten Fassaden sind dafür Montagesysteme nötig, die den Druck verteilen. Eine Verschraubung direkt in die Dämmung hält nicht – und der Schaden zeigt sich erst beim ersten schweren Schnee.

Windsog, der zweite Lastfall

Schnee drückt nach unten, Wind kann ein leichtes Dach anheben. Besonders bei Polycarbonat und freistehenden Konstruktionen ist der Sog der kritischere Fall.

Aufgenommen wird er über die Verankerung in den Fundamenten. Punktfundamente müssen deshalb nicht nur tragen, sondern auch halten – was ihr Volumen bestimmt.

Was ins Angebot gehört

Fünf Angaben: die angenommene Last aus Schnee, Profilquerschnitte, Stützenabstand, Rinnenquerschnitt und wohin das Wasser abgeleitet wird. Bei gedämmter Fassade zusätzlich das Montagesystem.

Fehlt diese Annahme, ist kein Preisvergleich möglich – sie bestimmt das gesamte Tragwerk. Fehlt die Ableitung, kommt sie später als Nachtrag.

Fragen Sie auch nach dem Umgang mit Schnee vom Hauptdach. Diese Zusatzlast wird bei Angeboten regelmäßig übersehen.

Häufige Fragen

Wie viel Schnee muss ein Terrassendach tragen?

Das richtet sich nach Zone und Geländehöhe des Standorts. Der angenommene Wert gehört ins Angebot, damit nachvollziehbar ist, womit gerechnet wurde.

Wie steil muss ein Terrassendach sein?

Üblich sind etwa zwei bis fünf Grad. Ohne Gefälle bleibt Wasser stehen, und die Dichtungen werden mit der Zeit undicht.

Wohin mit dem Regenwasser?

Über Rinne und Fallrohr in Kanal oder Sickerung. Ohne Anschluss gehört eine ausreichend bemessene Sickerpackung dazu – nicht einfach ein Auslauf an der Hauswand.

Kann man auf eine gedämmte Fassade montieren?

Ja, aber nur mit einem Montagesystem, das die Last durch die Dämmung ins Mauerwerk bringt. Verschraubungen in der Dämmschicht allein halten nicht.

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